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Dance Branding: Wie Dua Lipa ihren "Signature Move" zurückeroberte

von Martin Tazl


Die Schlüsselprinzipien eines erfolgreichen Brandings funktionieren auch bei Persönlichkeiten: Freddie Mercurys berühmte Körperposen mit dem hochgestreckten Arm erkennt man alleine an der Silhouette, die US-Rockband KISS wiederum wurde wegen ihres visuellen Brandings in Form mystischer Masken und aufwändiger Kostüme weltberühmt.

Moderne Idole der Popkultur setzen von vornherein auf eine visuelle Markenidentität, einen signifikanten Wiedererkennungswert. Die Sängerin Ava Max kreierte den „Max Cut“, eine asymmetrische Langhaarfrisur, mit der sie bekannt wurde, Elton John schwört seit gefühlten sechshundertzwanzig Jahren auf bunte, poppige Brillen und Gottlieb Wendehals beglückte uns in den Achtzigern mit kariertem Sakko und Gummi-Huhn in der Aktentasche (früher war nicht alles besser, das ist wohl richtig).


Aber auch eine bestimmte Bewegung, ein sogenannter „Move“, kann zum eigenen Branding beitragen: In der Motown-Ära drehten die Menschen aufgrund der Shuffles der Temptations durch, Elvis Presley legte ganze Konzertreihen durch sein bekanntes Hüftkreisen lahm und Michael Jacksons kurioser „Moonwalk“ ist noch ein bekanntes Beispiel der Neunziger Jahre.

Dua Lipa erobert sich Ihren Move als Teil ihres Brandings zurück

Dua Lipa Live, Cologne Germany 2022 / Foto: Martin Tazl
Dua Lipa Live, Cologne Germany 2022 / Foto: Martin Tazl

In der heutigen Popmusikwelt hat sich ein witziger Effekt in bezug auf spezielle Bewegungen für die angesagte Sängerin Dua Lipa ergeben: Im Jahre 2018 war sie noch am Anfang ihrer Karriere und nicht ganz so tight in ihren Tanz-Performances auf der Bühne. Sie war Anfang Zwanzig und durfte in kürzester Zeit auf großen Festivals spielen und ihre Songs wurden einer nach dem anderen internationale Hits, ihr erstes Soloalbum war ein Erfolg.

Eine gewisse eintönige Hüftbewegung aber bei einigen Bühnenauftritten zu ihrem Hit „One Kiss“ sorgte für viel Spott und Häme im Internet. Menschen machten sich über sie lustig, schrieben fiese Kommentare zu den Videos - man kann sich die heutige Form des Internet-Mobbings bzw. Shamings vorstellen. Und auch wenn ein Star wie Dua Lipa eine gute Abschirmung und ein weichgebettetes Umfeld haben mag, ist so jemand auch nur ein Mensch und sie fand es in den Jahren auch nicht wirklich schön, wie sie dort mit Kommentaren konfrontiert wurde, ließ sie in Interviews wissen.


In den folgenden Jahren arbeitete sie hinter den Kulissen an einer eigenen, professionellen Konzert-Show (Future Nostalgia Tour), an neuen Musikvideos und insbesondere an ihren Dancing Skills, sie arbeitete mit ihrem Team hart an der eigenen Perfektion und dann, als es eigentlich mit der großen Welt-Tournee losgehen sollte, kam Corona … Die Konzerte wurden abgesagt und sollten anderthalb Jahre später dann endlich nachgeholt werden. Während der Lockdown-Phase war sie eine der ersten, die eine Lockdown-Konzertshow im Internet produzierte („Studio 2054“). Hierbei konnte man schon ihre Fortschritte in der visuellen, performenden Präsentation registrieren.


Aber wie kam es zu Dua Lipas heute bekanntem "Signature Move"?

In Jimmy Fallons Talkshow sprach sie darüber, wie sie sich genau den Move, der ihr von damals so durch Spott und Häme nachhing, nun für sich zurückeroberte und zum positiven Gegenteil umkehrte, nämlich als festen Bestandteil ihrer Tanz-Choreografie im Intro von „Don´t Start Now“, dem Song, der in ihrer Welt-Tournee immer den Abschluss jedes Konzerts bedeutet.


Und heutzutage ist der Effekt hierdurch umgekehrt: Die Leute lachen sie nicht mehr dafür aus, sondern sie warten regelrecht drauf und rasten förmlich aus, wenn die entsprechenden Takte des Songs erklingen und jeder genau weiss, dass Dua nun mit ihren Tänzerinnen in genau diese Moves gleitet. Das Publikum reisst die Halle ab, sie schreien und freuen sich wie irre — ich habe es selbst erlebt. Dieser „Dua Lipa Signature Move“ (nennt sich wirklich so) ist ein so gut funktionierender Emotionsverstärker zwischen Absender/Marke (Dua Lipa) und Empfänger/Kunde (Publikum), man kann sagen, die Frau hat sich gekonnt selbst zum Meme gemacht. Und Memes sind heutzutage sowas wie eine eigene Währung im Sinne des Bekanntheitsgrades.


Wie geht der Kunde, das Publikum also nach einem Konzert von ihr (also nach der „Markenpräsentation“) nach Hause? Mit positiven Vibes, Gefühlen, Eindrücken, die man gerne weiterträgt. Man spricht drüber, man erzählt anderen davon: „Du musst Dir selbst ein Bild davon machen, geh zu einem ihrer Konzerte und Du wirst es toll finden ...“

Ich glaube, das kann man mindestens als Reaktion erwarten. Branding im Sinne der Markenidentität ist also nicht mit Schmerzen verbunden, sondern mit Kundenbindung, Imagevermittlung, Emotionen und Werten, die Ihre Kunden gerne weitertragen.

- MT

Weiterführende Links:


1. Dua Lipas Signature Move (kurz):

https://youtube.com/shorts/Gqb2ADj6_hg


2. Dua Lipas Signatur Move (ab Minute 01:05):

https://www.youtube.com/watch?v=SD0hy2dR35w


3. Dua Lipa im Gespräch mit Jimmy Fallon:

https://www.youtube.com/watch?v=enW-fNTOnWM


4. Meine eigenen Videoaufnahmen vom Dua Lipa Konzert in Köln, Mai 2022:

https://www.youtube.com/watch?v=K8qygdTiyU8


5. Ava Max über ihren "Max Cut":

https://youtu.be/OV0Ynb7Mz88


6. Ava Max ft. Tieste "The Motto":

https://www.youtube.com/watch?v=1_4ELAxKrDc


7. KISS "I Was Made For Lovin´ You":

https://www.youtube.com/watch?v=ZhIsAZO5gl0


8. Gottlieb Wendehals 1981 in der "Hitparade":

https://www.youtube.com/watch?v=ttLB4qOGn-c





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