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Die Top 3 Fehler im Designprozess erkennen und verhindern: Stolperfallen auf dem Weg zur Lösung

Updated: Jan 15

von Martin Tazl


Nehmen wir mal an, Sie sind ein Unternehmen und benötigen eine Kommunikationskampagne, eine Plakatserie, Werbeanzeigen, ein Corporate Design oder ähnliches. Und Sie suchen sich professionelle, kreative Hilfe.

Vielleicht haben Sie dann folgenden Erstgesprächverlauf bereits erlebt: Nicht selten taucht die Agentur oder der/die Designer/in auf und fragt den Kunden im Erstgespräch: „Haben Sie selbst schon Ideen wie Ihre Anzeige, Ihr Logo (oder was auch immer) aussehen soll ..?“
Völlig falsche Vorgehensweise. Spätestens jetzt sollten Sie misstrauisch werden!

Genau hier zeigt sich nämlich der erste Fehler:

Der Designer offenbart dadurch, dass er/sie nicht genug Kompetenz besitzt, um Sie richtig zu beraten. Und die Kompetenz wird auch nicht beim zweiten Gespräch auftauchen, denn wer solche Fragen stellt, weiss nicht was er/sie zu tun hat. Und das wiederum ist wichtig für Sie als Auftraggeber zu wissen.

Wenn Sie Hilfe benötigen, dann zeige ich Ihnen, wie Ihr Design aussehen kann — und nicht umgekehrt. Denn sonst bräuchten Sie mich ja nicht.


Der zweite falsche Ansatz, der leider viel zu oft in unserer Branche in einer Entwicklungs-/Konzeptphase so abläuft, geht so:

Der Designer erscheint nach dem ersten Briefing wieder und präsentiert Ihnen direkt mehrere Entwürfe, sagen wir mal drei bis fünf Design-Richtungen, die alle total unterschiedlich aussehen. Wow ..! Und daraus darf ich auswählen? Ist ja wie Design-Tinder auf Steroiden!


Der Kunde fühlt sich leider aus falschen Aspekten besonders gut behandelt und gepinselt, weil er vermeintlich "viel kreatives" gezeigt bekommt. Bringt aber nix ausser Verwirrung und am Ende schmerzhafte Third-Best-Matsche! Sie werden feststellen, dass manche Entwurfsrichtungen so extrem auseinandergehen, dass Ihnen die Auswahl umso schwieriger erscheinen mag.



„Wenn einer kein Scharfschütze ist, der schießt mit Schrot, schießt der ..!“

Diesen Satz sagte Ralf Richter im Schimanski-Tatort "Duisburg-Ruhrort" zu Götz George, als er von diesem ohne Beweis beschuldigt wurde. (s. oben / bei Minute 50:00)


Das bedeutet: Man schmeisst wahllos mehrere Designs in den Raum, in der Hoffnung, dass eines schon den „Geschmack“ des Kunden treffen wird. Das kann man fast schon mit einem Zugriff des SEK vergleichen: Die schmeissen auch mehrere Blendgranaten in dem Wissen, dass zumindest eine davon Sie irritieren wird!


Wenn dies also so geschieht, steckt meist folgendes dahinter: Der Designer will Ihnen seine große künstlerische Spannbreite präsentieren — damit Sie künstlerisch beeindruckt sind und ihn/sie loben.

Hört sich hart an, ist aber genau so. Diese Leute wollen, dass man ihnen auf die Schultern tätschelt, weil man es in deren Kindheit nicht oft genug tat. Viele derer besetzen allein aus diesem Grund unsere Branche wie damals in den Achtzigern die Hausbesetzer die Hamburger Hafenstraße. Sie brauchen das Lob und das seichte Rumgelulle mehr für sich selbst als den inneren Antrieb, für den Kunden einfach etwas vernünftig und richtig zu machen.


Wenn man die Aufgabe ernstnimmt, braucht man keine drei verschiedenen Entwürfe, denn dann geht alles in den einen Entwurf / in eine durchdachte Strategie — aus Überzeugung und basierend auf einem knallharten, argumentativen Fundament. Und dieser überzeugte Entwurf geht in Hirn und Herz.


Der dritte Garant für Fehlerpotential: Dem Kunden fehlt oft das Beurteilungswerkzeug.

Wenn der/die oben beschriebene Designer/in bzw. Agentur schon keine Ahnung hat, was er/sie da macht ... wie sollen SIE es dann bewerten können ob Sie es mit einem richtig gut durchdachten und ausgeführten Design zu tun haben oder eben einfach nur mit billigem Blendwerk ohne Sinn?

In vielen Fällen hat der Auftraggeber in sich selbst keine andere Möglichkeit, als einen vorgelegten Designentwurf mit der Betrachtung „finde ich schön“ oder „find ich doof“ zu bewerten. Mehr bleibt oft nicht. Zur richtigen Beurteilung reicht ein „Gefällt mir“ oder „doof“ aber nicht — denn das alles begründet sich allein auf den persönlichen Geschmack, ohne aber kompetente Entscheidungsgrundlagen zur Verfügung zu haben.


Wen interessiert´s?

Es interessiert in Wirklichkeit keinen Menschen, ob Sie oder ich persönlich etwas „schön“ oder „doof“ finden. Das sind nicht die Faktoren, über die wir zu sprechen haben. Denn all dies hat im ersten Schritt keine Relevanz zur Erreichung Ihrer strategischen Ziele.


Dass professionelles Design am Ende auch gut aussehen soll, erschließt sich doch von selbst, darüber müssen wir nicht sprechen. Hier geht es um gezieltes Design, welches immer eine Strategie dahinter verlangt.


Und wenn die Strategie stimmt, dann leitet sich das Design fast wie von selbst ab.



- MT


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