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Einladung zum Agentur-Pitch? Leg Geld auf den Tisch oder zieh ab!

Updated: Jan 13

von Martin Tazl


Ein Anruf: „Herr Tazl wir sind das Unternehmen XYZ und würden Sie gerne zu einem Agenturpitch einladen … gleichzeitig haben wir noch drei andere angefragt … wir können aber nichts zahlen bzw. nur eine Aufwandspauschale.“
Antwort meinerseits: „HAHAHAHAHA, Ihr Irren!!!“ Und der Telefonhörer fliegt scheppernd zurück auf die Gabel.

Das ist dann natürlich unbefriedigend für den aufstrebenden Marketingleiter, der sich vor seinen jungen Praktikantinnen als großer Macher aufspielen will. Aber wenn jemand den Mut besitzt, mich zu fragen ob ich bei einem solchen Idioten-Pitch mitmache, der kann genausogut die Mülltonnen seiner Nachbarschaft durchwühlen, in dem Glauben, darin einen gedeckten Tisch mitsamt 5-Gänge-Menü plus Kellner zu finden.

Wie kann man eigentlich heutzutage noch glauben, dass man kreative Arbeitsleistung — Intellectual Property (!) — für Nüsse* abgreifen kann? Und gleichzeitig erwarten, dass man mit anderen kreativen Konkurrenten in einem Hahnenkampf gegeneinander antritt? 😄 Eine Frage: Wenn Ihr so sehr auf „Cock-Fights“ steht, Freunde — lief da eventuell bei euch was in der Kindergartendusche schief? Nur so eine Frage nach 30 Jahren Erfahrung im Creative Business.



An alle Kreativen und Agenturen:

Ich kann jedem Kreativen und jeder Agentur nur ans Herz legen, nicht sofort aufzuspringen, wenn Ihr solch eine unseriöse Anfrage zum Pitch erhaltet, sondern erst einmal in Ruhe nachzudenken. Ich empfehle, sich vorzustellen, was und wer hinter einer solchen Vorgehensweise steckt.


Bedenkt immer die Anbahnungsrichtung. Macht dem Anrufer klar:

Ihr wollt letzten Endes mehr Kohle mit MEINER Kreativität und meinen Strategien machen — nicht umgekehrt.

Ihr wollt was von MIR — nicht ich von euch.

Ihr ruft oder schreibt MICH doch an — nicht ich euch.

Ihr legt gefälligst Geld auf den Tisch — nicht ich arbeite für lau.


Merke: Wer möchte, dass Musik aus der Jukebox spielt, muss Geld einwerfen. Selbiges gilt für Kirmes-Karusselle, Auto-Waschanlagen und für Peep-Shows im übrigen auch. 🤷‍♂️


Die Hauptfaktoren hinter solchen Unverschämtheiten:

In den meisten Fällen stecken „Befindlichkeiten“ und triebtäterähnliche Groteskerien wie persönliche Eitelkeiten innerhalb der Unternehmensstrukturen dahinter. Zum Beispiel weil einer dem anderen intern den Rang ablaufen will, dem Chef näherrücken möchte oder sich einfach für extrem geil hält, indem man Agenturen und Kreative gegeneinander ausbalancieren möchte, um selbst nachher als „der große Geist hinter der Idee“ zu glänzen. Viele führen auch einfach ein sehr langweiliges und bemitleidenswertes Privatleben — sowas kann auch ein Faktor sein, weswegen auf einmal jemand innerhalb des sicheren Unternehmens seine Pitch-Allüren abfeiert.


Ein ebenfalls häufiger Faktor sind ganz einfach Inkompetenzen innerhalb der verteilten Jobpositionen. Pappnasen, die generell gute Stellen besetzen. Pfeifen, die an anderen Aspekten stärker interessiert sind als daran, das zu verantwortende Projekt wirklich verantwortungsvoll zu behandeln. Diese Missstände werden oft durch Pitch-Veranstaltungen zu übertünchen versucht: Nach dem Motto Wenn man selbst keine Ahnung hat, versucht man kostenfrei diejenigen abzugraben, die aber im Gegensatz zu euch extrem viel Ahnung haben … sehr schlaue Idee, total mein Humor!


"Sie dürfen dann mit unserem Namen werben ... ist das etwa nichts ..?"
"Und du darfst mir mal die Glatze küssen, Kleiner — ist das nicht noch cooler ..?"

Das Lockmittel, an welches diese Initiatoren gerne selbst am meisten und allen Ernstes glauben, ist der wirkungsvolle Name des Unternehmens, der Marke. Schön und gut, aber wenn Ihr so toll seid, dann habt Ihr auch die Kohle, um die Band spielen zu lassen ... 🤷‍♂️ Ich habe soviele Namen auf meiner 30-jährigen Referenzliste, soviele könnt Ihr gar nicht flüssig hintereinander aussprechen ohne ständig nachzutrinken! Vielleicht könnt Ihr mit solchem Billig-Gameplay Anfänger-Agenturen beeindrucken.


Wenn Ihr Unternehmen und Marken aber eben nicht so wahrgenommen werden möchtet (nämlich genauso wie ich es hier im gesamten Text beschreibe), dann empfehle ich ein Umschwenken in Eurer Vorgehensweise, in der Anbahnung.


Euer Name lockt mich nicht, aber Eure Aufgabe kann ich durchaus zu meiner machen und ihr bester Mentor weit und breit sein, wenn das Geld stimmt. Und der Respekt vor Creative Intellectual Property.

Es gibt nur ein Mittel: Geld.

Die einzige Möglichkeit, mich zu so einem Pitch zu motivieren, läge allein in der Kohle — aber in Vorkasse: Denn nur dann kann man erkennen, wer es ernst meint mit einer eventuellen Zusammenarbeit und wer nicht.

Legt Ihr ein paar „Grands“ auf den Tisch (und damit sind keine Hunderter gemeint), dann sprechen wir gerne über eine gemeinsame Pitch-Vorgehensweise.


_____________________

(*) = Zur Erklärung der „Nüsse“: Glaubt Ihr denn, dass Eure schlumpfgrößenartigen „Aufwandsentschädigungen“ auch nur irgendeinen Hering vom Teller ziehen können ..? 😄 Gebt Euren Azubis stattdessen mal eine Pizza aus. Und jedem eine Cola Zero mit schönem Gruß vom Tazl!



- MT

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