top of page

Hirnschäden, Halbstarke und Hormone: Die Sache mit dem Dopamin und der Aufmerksamkeitsspanne

von Martin Tazl


[TikTok & Social Media Serie 3]


TikTok verändert momentan vieles gleichzeitig: Das Nutzer-Verhalten, gesundheitliche Auswirkungen und gesellschaftliche Veränderungen gehen Hand in Hand mit unglaublichen Mengen an Geld, die hierdurch rund um die Uhr aus dem Nichts generiert werden und mit Streit ... jede Menge Stress lauert dort. Es lohnt sich genauer hinzuschauen, welche Konsequenzen die App bereits jetzt schon in unser Leben gebracht hat und was man daraus für den weiteren Verlauf ablesen kann.


Heutzutage greift zum Beispiel bereits ein Drittel der US-Bürger auf TikTok zu, um sich über Nachrichten aus dem Zeitgeschehen oder zu politischen Wahlen zu informieren und kümmert sich nicht mehr um die herkömmlichen News-Medien. Bis das bei uns so sein wird, ist es nur noch eine Frage der Zeit. Herkömmliches, lineares TV, gedruckte Zeitungen oder Funkwellen-Radio zum Beispiel haben bei den nachrückenden Generationen doch keine Chance mehr. Es wird zwar alles noch bis zum letzten Atemzug für „total vital“ erklärt, aber dies soll in erster Linie Werbespot- und Anzeigenkunden beruhigen und „Old Money“ sichern.


Enormes Potential für Marken und Unternehmen

Die sprunghafte Verbreitung der App TikTok (mehr als 3 Milliarden Downloads!) bietet Ihnen immenses Potential, Ihre Reichweite zu vergrößern, die Zielgruppen zu erreichen, mit ihnen zu kommunizieren und von ihnen zu lernen, um das Image und die eigene Positionierung zu behaupten, um neue Wege zu gehen, die in naher Zukunft schon wieder Standard sein werden.


Das positive Potential gilt aber nur, wenn man sich bemüht, TikTok „richtig zu nutzen“. Das bedeutet, mit einer Content- und Community-Strategie heranzugehen!


Aber Achtung, TikTok ist wahrhaft anders als Instagram, Facebook und was Sie sonst bisher an Networks mit Ihren Marketingaktivitäten bedienten

TikTok offeriert nicht nur positive Möglichkeiten und Ansätze, wie Sie sich selbst oder Ihre Marke möglichst positiv präsentieren — TikTok birgt auch negative Seiten und Aspekte, über die man Bescheid wissen sollte, bevor man sich einfach blind in die Fluten schmeisst.


Die Sache mit dem Dopamin und der Aufmerksamkeitsspanne

Endlos viele kurze, schnelle Videoinformationen auf ständig verfügbaren Broadcasting- und Abrufgeräten (das eigene Smartphone in der Hosentasche) und die Verbindung zur Ausschüttung des Glückshormons Dopamin führen in relativ kurzer Zeit zu Einbußen in kognitiven Prozessen: Die Aufmerksamkeitsspanne sinkt beträchtlich und zeigt Auswirkungen bei Kindern und Jugendlichen in Schule, Ausbildung und Studium und auch bereits in den berufstätigen Erwachsenen. Einer von diesen mit kurzer Aufmerksamkeitsspanne schaffte es 2017 sogar zum US-Präsidenten … wie das verlief und endete, wissen wir alle: Blankes Chaos.


Quod erat demonstrandum: Je mehr Kurzvideos in stetiger Frequenz konsumiert werden, desto löchriger wird die Birne!

Die langfristigen Folgen solcher Auswirkungen auf unsere Gesellschaft lassen sich erahnen und sie sind nicht erfreulich …

Hierzu möchte ich auf ein sehr gutes und informatives Video der Youtuberin Desy aufmerksam machen (s. Video rechts).



Infantile vs. Influencer: Das neue prunkvolle Leben der Proleten

TikTok wirkt teilweise wie der Schmelztiegel Mos Eisley aus Star Wars: Es brodelt im Untergrund — Kriminelle, Scharlatane und Betrüger haben sich in Mengen unter die Userschaft gemischt. Sie versuchen über dieses Medium ihre (versauten) Images aufzuhübschen, um naiven und meist jungen Nutzern das Geld aus der Tasche zu ziehen, z. B. durch "Live-Matches". Und noch viele, viele andere fragwürdige Gestalten mit noch viel fragwürdigeren Absichten tummeln sich dort.


Dass heutzutage wirklich JEDER senden, streamen, publizieren kann, macht die Qualitätssumme insgesamt natürlich nicht besser, das ist logisch. Umso mehr muss man mit gutem Content dagegenhalten, sich abheben und positionieren.


Live-Matches als neuer 24/7-Entertainment-Kreislauf

Hier streamen Menschen viele Stunden ununterbrochen und battlen in sogenannten Live-Matches gegeneinander. Der Sinn dahinter erschließt sich nicht, weil es keinen gibt — ausser den, die Zuschauer mit gespielter Hektik anzufeuern und dazu zu bringen, digitale „Geschenke“ den Streamern zu spenden. Diese werden innerhalb von TikTok mit einer eigenen digitalen TikTok-Währung („Coins“) erworben. Um diese Coins zu erhalten, müssen diese — und jetzt kommt’s — mit ECHTEM GELD erworben werden.

Ein kleiner Umweg also, aber einer, der sowas von fließt … Die Geschenke haben unterschiedliche Bedeutungen, Symbole und vor allem Preise. Das teuerste Geschenk kostet 500,00 Euro! Die Gegenleistung dafür ist ein reines NICHTS. Ausser dass den Zuschauern eine Menge Lebenszeit geraubt wird, anderen dabei zuzuschauen, wie sie sekündlich mehr und mehr Geld einsammeln. Mehr steckt nicht dahinter. Doch leider schauen manchmal mehrere zehntausende Menschen bei diesen Live-Matches zu — Sie ahnen nicht, was da abgeht und in welcher Zuschauer-Reichweite!


"Beef" ist kein Fleisch, sondern der Motor für Reichweite: Streit zieht immer!

Taucht man etwas tiefer in die Nutzung von TikTok ein und lässt sich als Zuschauer ziellos treiben, gerät jeder irgendwann mal an Live-Streams von wirklich seltsamen Typen jeden Geschlechts, die sich aufs Übelste anschreien, beschimpfen, beleidigen und bedrohen.

Viele der Protagonisten haben erkannt, dass dies eines der am besten funktionierenden Mittel ist, um innerhalb kürzester Zeit eine riesige Reichweite und Zuschauerschaft zu erreichen. Beim Streit schauen viele zu und haben das Bedürfnis, zu erfahren wie es weitergeht und endet. Der Zuschauer kann alles in Echtzeit live miterleben.

Diese teils schlimmen Streitereien rufen dieselben Reaktionen der User hervor wie die Live-Battles: Nämlich, dass die Fans digitale Geschenke spenden, um ihre Favoriten zu pushen.


„In TikTok sind doch nur Verrückte …“ — „Verrückte sind nicht das Problem, es sind einfach verdammt viele Assis unterwegs!“

Sie haben Recht, wenn Sie jetzt den Vergleich zum alten Rom mit den Gladiatorenkämpfen im Colosseum sehen … nur hat es hier nicht den Charme einer prunkvollen Arena, sondern eher die Atmosphäre einer versifften Spelunke. Auffällig ist zudem, dass viele der Streamer kaum zu verstehen sind, weil sie so undeutlich oder ganz einfach ungebildet drauflos stammeln. Grammatik ist nicht nur ein Fremdwort für viele, sondern auch wahres Luxusgut. Man merkt oft, dass selbst die einfachsten Sätze für diese Menschen eine riesige Schwierigkeit darstellen. Daher beruft man sich auf eine sogenannte „Straßenzugehörigkeit“ als Legitimation, komplette Sprach- und Grammatikregeln über Bord zu werfen.

In einem meiner nächsten Artikel werde ich auf einzelne Aspekte noch genauer eingehen.


Also, ich habe Sie gewarnt — es sind nicht nur Wohltäter und coole Marken und Künstler dort unterwegs.


Insbesondere wegen der Dinge, die es halt neben den guten Sachen „auch dort gibt“, ist es umso wichtiger, dass man sich als Marke und Unternehmen erst eine Kommunikations- und Content-Strategie erarbeitet und DANN erst mit einem solchen Medium wie TikTok startet.

Wenn Sie Fragen dazu haben, melden Sie sich gerne bei mir.

- MT



13 views0 comments
bottom of page