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Im Hamsterrad der Überzeugungsarbeit: Marken, Unternehmen und TikTok

von Martin Tazl

[TikTok & Social Media Serie 2]



Warum sich alles wiederholt und doch so sehr verändert

Wenn es um die Kurzvideo-App TikTok geht, wird sofort klar, dass hier etwas völlig Neues in die Welt gesetzt wurde: Eine Endlos-Schleife bestehend aus Kurzvideos, die mit einem Fingerstreich zum nächsten wechseln und das komplette Nutzerverhalten ändert sich weltweit — mal wieder. Denn aus einer anderen Perspektive scheint sich hierbei etwas zu wiederholen, was mich an gewisse Zeitphasen des Internet (1.0) selbst erinnert, ebenso wie an die Ursprünge von YouTube.


Ein kurzer Ritt durch die Entertainment-Medien-Geschichte:

MUSIK: Betrachten wir zunächst die Entwicklung der haptischen Medienformate in unserer Popkultur: Im Bereich der Musik gab es zunächst Schellack (Jahrhundertwende bis in die 60er Jahre) und Tonbänder; die Vinyl-Schallplatte löste dann die schweren und fragilen Schellack-Platten ab, parallel gab es noch Magnetband-Cassetten, dann überholte die CD ab Mitte/Ende der Achtziger alle drei und heutzutage wird Musik fast nur noch gestreamt.


VIDEO: VHS und BetaMax waren in den 80ern und 90ern die gängigen Video-Medienformate, die lange Zeit den Markt bestimmten. Vor der Erfindung der Videokassette waren Kinofilme als Super-8-Filmrollen erhältlich (allerdings meist in gekürzter Fassung). Am Ende wurden alle Magnetband-Formate erst von der DVD, dann von der BlueRay-Disc abgelöst und heute werden Filme ebenfalls fast nur noch online gestreamt.



It all comes back: Die Anfangsphasen der Überzeugungsarbeit

INTERNET: Im Jahre 1997 arbeitete ich in einer Essener Agentur als Creative Director. Damals waren wir mit Anstrengung beschäftigt, mittelständischen Unternehmen zu erklären, warum man so allmählich mal eine Website brauchte und man sich damit auseinandersetzen sollte, die eigenen Produkte zukünftig übers Internet anzubieten, während wir auf der anderen Seite für viele überregionale und internationale Konzerne bereits richtig fette Websites erstellt hatten (die Großen waren halt innovativer und offener im Geiste).


Was haben wir damals teils für abweisende Geisteshaltungen erfahren: Von „Kommen Sie in fünf Jahren wieder, dann übernehmen meine Kinder den Laden“ über „das ist nur ein Trend, der vergeht, braucht kein Mensch“ bis zu „im Internet sind eh nur Verrückte“.


Wenn mir einer zu blöd kam, sagte ich irgendwann: „Wissen Sie was? Sie haben eh Pech — das Internet ist genau jetzt VOLL, es gibt keinen Platz mehr ..!“


Irgendwann kamen auch die letzten Zweifler dahinter, dass andere ihnen bereits mehr als nur einen Schritt voraus waren mit ihren Internet-Aktivitäten. Da stieg dann bei vielen natürlich der Neid-Pegel und auch der Druck, mitzuhalten.


Das Gleiche wiederholte sich Mitte der 2000er

Mit YouTube war es doch ganz ähnlich, als im Jahre 2005/2006 die ersten Videoclips online gingen. Da herrschte in den Anfangsjahren auch viel Skepsis bei den mittelständischen Unternehmen („Was sollen wir da? Da sind doch nur doofe Katzenvideos …“ und auch hier wieder "nur Verrückte").


Hier waren die großen, bekannten Marken mal wieder die ersten, die einen guten Eindruck machten und viel Vorarbeit leisteten, woran der normale Mittelstand sich einfach einiges hätte abschauen können anstatt rumzumaulen und gar nichts auf die Kette zu kriegen.

YouTube Original Screenshot aus 2007
Kein Aprilscherz: So sah Youtube Mitte der 2000er Jahre aus. Auffällig sind die vielen Text-Ads innerhalb der Benutzeroberfläche, die den Google-Anzeigen ähneln.

Es dauerte wieder einmal mehrere Jahre, bis auch dem letzten Hinterwäldler klar wurde, dass an YouTube kein Weg vorbeiführt und dass es einfach nur vorteilhaft ist, wenn man hier ganz leicht seinen Video Content verbreiten und mehr Traffic und Follower gewinnen kann.


In Sachen Musik brach um die Jahrtausendwende das Filesharing über die Musikindustrie herein. Damals wurde noch niemand wegen illegaler Downloads verfolgt. Daraus erwuchsen digitale Musik-Stores im Internet durch die großen Labels, aber auch durch neue Player wie Amazon und Apple. Gegen Ende der 2000er, Anfang der 2010er Jahre verfestigte sich dieses Business bereits immens und wurde unabdingbar für die weitere Zukunft.


Selbst Apps für Computer, Smartphones und Tablets werden fast nur noch digital aus dem Internet, aus App Stores geladen, aber das wissen Sie doch alles selbst.


Fazit:

Nun schauen Sie mal auf den Status Quo, wo wir uns jetzt gerade befinden innerhalb der Einsteinschen Raumzeit: YouTube ist heute jedem Menschen bekannt, jedes Unternehmen hat schon lange den zehnten Re-Launch der eigenen Website hinter sich und Filme werden heute über Spotify, Netflix oder (mittlerweile) viele andere konsumiert, um nur einige zu nennen. Sie selbst nutzen mit Sicherheit mindetens eine der heutigen internetbasierten Medien und können sich kaum noch vorstellen, dass es auch eine Zeit ohne Streaming und Video-On-Demand gab.


Was TikTok und seine Kurzvideos angeht:

Mal wieder sind es eher die großen Marken und Unternehmen, die Ihre Vorreiterrollen ernst nehmen und sich Ihrer eigenen Verpflichtung zur Positionierung bewusst sind. Hier wird nicht einfach nur vor der Kamera drauflos getanzt und der CEO mit eiskaltem Wasser übergossen — man kann sehr viel lernen, wenn man schaut wie andere es gut vormachen.


Aber mal wieder muss der Mittelstand überzeugt werden, dass TikTok nicht nur für Spinner und fragwürdige Gestalten ist (die zweifellos in Massen dort vorhanden sind, keine Frage — aber darauf gehe ich in einem anderen Artikel ein).


Und mal wieder muss man erklären, warum es wichtig ist, genau JETZT auf den Zug aufzuspringen. Es wiederholt sich doch alles — Jump in!


Frage: Wann sind SIE eigentlich so weit, dass man mit Ihnen über das Wann und Wie sprechen kann anstatt immer nur übers Warum?


Melden Sie sich gerne bei mir und lassen Sie uns drüber sprechen!


- MT









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